Die Päpstin

26 10 2009

Ende des 9. Jahrhunderts bringt die Frau des Dorfpriesters in Inglheim ein Mädchen zur Welt. Johanna, so heißt die Kleine, ist schon in frühen Jahren, sehr wissbegierig und verständig. Sie hat 2 Brüder, die von ihrem Vater unterrichtet werden, aber obwohl sie klüger ist, als die Jungen, steht ihr diese Möglichkeit nicht offen. Gebildete Mädchen sind nicht nur unerwünscht, sondern werden als Satanswerk regelrecht verabscheut. Mit dieser Tatsache kann sich Johanna nicht abfinden und so lernt sie erst heimlich, indem sie den Unterricht der Brüder belauscht, dann findet sie in ihrem ältesten Brüder einen Verbündeten, der ihr Lesen und Schreiben beibringt.

Leider stirbt dieser Bruder, Matthias sehr früh. Der zweite Sohn des Priesters, Johannes, ist bei weitem nicht so verständig wie seine Geschwister, auch hat er nicht den Wunsch Gelehrter zu werden. Das interessiert seinen gewalttätigen Vater aber nicht im Geringsten und so meldet er ihn an der Domschule zu Dorstadt an.
Eines Tages kommt ein Lehrer ins Dorf um den Jungen zu prüfen.
Johannes versagt kläglich, seine Schwester jedoch begeistert den alten Mann.
Widerstrebend erklärt sich der Dorfpriester bereit, seine Tochter unterrichten zu lassen, wenn auch der junge Unterricht bekommt.
Ein Jahr lang ist Johanna glücklich, dann wird Aeskulapius fortgeschickt und muss den Unterricht beenden. Er verspricht dem Mädchen, das ihm sehr ans Herz gewachsen ist, jedoch, dass er Sorge dafür tragen wird, dass sie weiter lernen kann.
Zunächst kann sie das natürlich vergessen. Nach einiger allerdings kommt ein Bote ins Dorf um die neue Schülerin abzuholen und zur Scolar nach Dorstadt zu bringen. Der Priester nutzt diese Gelegenheit um einmal mehr seinem Sohn einen Vorteil zu verschaffen und ihn statt Johanna zur Schule zu schicken. Als auch ihre Mutter dem zustimmt, läuft Johanna in der Nacht davon. Der Bote, der derweil schon mit Johannes unterwegs ist, wird unterwegs erschossen und ausgeraubt. So kommt es, das Johanna ihren Bruder noch einholt und beide Kinder sich auf den Weg nach Dorstadt machen.
Dort angekommen macht sich das Mädchen gleich unbeliebt, da sie ihrem zukünftigen Lehrer widerspricht und ihm der Lächerlichkeit preisgibt.
Sie findet aber auch einen Beschützer und Freund in dem Grafen Gerold, einem Ritter, der von dem Mädchen fasziniert und auch amüsiert ist. In seinem Haushalt wird sie die nächsten Jahre aufwachsen, auch wenn Gerolds Frau Richhild vehement dagegen ist.
Ein paar Jahre später ist aus Johanna eine kluge junge Frau geworden und Gerold fühlt sich mehr und mehr zu ihr hingezogen. Lange Zeit wehrt er sich gegen seine Zuneigung, als er jedoch in den Krieg berufen wird, wird er einen Moment lang schwach und küsst seine Schutzbefohlene. Dummerweise wird der Kuss beobachtet und so erfährt Richhild davon.
Die nimmt diese Demütigung nicht hin und kaum ist Gerold außer Sichtweise trifft sie Vorkehrungen, Johanna unter Zwang zu verheiraten.
Das ist sowohl für Johanna, die einen ungeliebten Mann heiraten soll, eine Katastrophe, als auch für ihren Bruder, der sofort die Schule verlassen muss, an der er nur seiner Schwester wegen geduldet war. Er soll stattdessen in ein Kloster eintreten.
Ein Normannenüberfall verhindert die Hochzeit, beinahe alle Anwesenden werden niedergemetzelt.
Johanna überlebt verletzt und flüchtet.
Sie nimmt die Stelle ihres Bruders an, der bei dem Überfall ums Leben gekommen ist und lebt viele Jahre als Mann in einem Kloster, wo sie sich durch Klugheit und Fleiß die Achtung ihrer Mitbrüder verdient.
Als sie krank wird, droht ihre Lüge aufzufliegen, was ihren Tod bedeuten würde.
Einmal mehr muss sie flüchten und macht sich auf den Weg nach Rom.
Hier nimmt sie sich der Kranken an und lebt in Armut, bis ihr Ruf in den Vatikan vordringt und sie gebeten wird, den Papst zu heilen.
Als ihr das gelingt, wird sie Leibarzt und später auch Berater des Papstes Sergius.
Als solcher steht sie ihm auch zur Seite, als eines Tages Kaiser Lothar einmarschiert, der einen Disput mit dem Papstmit seinen Armeen beenden und seine Macht ausweiten will.
In seinem Gefolge befindet sich ein Ritter, der vor 17 Jahren seine Familie verlor – Gerold.
Nur ein kurzer Blick auf Johanna reicht und er weiß, er hat die Frau wiedergefunden, die er verloren geglaubt hat. Er folgt ihr, gesteht ihr seine Liebe und bittet sie, mit ihm zu kommen.
Sie aber will in ihrem neuen Leben bleiben, denn selbst wenn ihre Gefühle für ihn sich nicht geändert haben, liebt sie auch ihre Schutzbefohlenen, ihre Arbeit, sie liebt Gott.
Gerold, in großer Sorge um seine Johanna, entschließt sich an ihrer Seite zu bleiben.
Seine Sorge ist nicht unbegründet, denn schon bald wird Papst Sergius vergiftet und Johanna macht sich seinen Stellvertreter zum Feind, der gerne sein Nachfolger würde. Überraschenderweise wählt das Volk Roms jedoch sie zum Papst und zwar just in dem Moment, als Gerold sie überredet hat, zu fliehen.
Für den Papst gestaltet sich eine Flucht allerdings schwierig, davon abgesehen will Johanna die Chance nutzen und Gutes tun. Viel Zeit bleibt ihr nicht, denn sie wird schwanger von Gerold, der mittlerweile der Anführer ihrer Leibgarde ist.
Beiden ist nun klar, sie müssen aus Rom verschwinden. Nach Ostern wäre ein geeigneter Zeitpunkt. Mittlerweile haben sich Johannas Feinde allerdings verschworen und locken bei der Osterprozession Gerold von Johanna fort und in einen Hinterhalt, wo er ermordet wird.
Johanna, der es vorher schon nicht gut ging, fürchtet, dass ihrem Gefährten etwas geschehen ist und bricht die Prozession ab um zu ihm zu eilen. Auf den Straßen Roms erleidet sie eine Sturzgeburt und stirbt.

Das ist eine Menge Inhalt für einen Film und so ist es nicht verwunderlich, dass einige Szenen aus dem Buch nicht in den Film übernommen wurden. Leider sind es genau die Szenen, die etwas Leben in die Geschichte bringen, weil sie die Charaktere besser erklären könnten.
So wurden beinahe alle Szenen gestrichen, die Johanne mit ihrer Mutter zeigen, von der sie die Heilkunde gelernt hat oder ihr Unterricht bei Aeskuapius, der sie gerne unterrichtete. Am schlimmsten aber trifft es die Liebesgeschichte mit Gerold. Im Buch teilen die beiden erst die Liebe zum Wissen, die Neugierde. Beide lieben es, zu lesen und darüber zu debattieren und so entsteht eine Freundschaft, die Gerolds mit seiner Frau nicht haben könnte. Diese kennt ihren Mann sehr gut und weiß, dass es für ihn niemals eine kleine Liebschaft nebenbei geben könnte. Nein, Gerold will sich tatsächlich offen von seiner Frau trennen und die Schuld auf sich nehmen. Gerade das wäre eine Demütigung, die Richhild nicht hinnehmen könnte und darum entschließt sie sich, Johanna mehr oder weniger aus dem Weg zu räumen. Das ist in der Tat bodenlos gemein, aber die Frau hat Beweggründe, so zu handeln. Gut muss man die nicht finden, aber sie machen die Geschichte glaubhafter.
Auch als die Liebenden sich in Rom wiederfinden ist nicht alles gleich Friede, Freude, Eierkuchen zwischen beiden. Filmgerold wirkt machmal ein bisschen wie ein Weichei, Buchgerold dagegen hat so manches mal den Papp auf mit dieser Frau. Umso stärker wirkt seine Liebe, wenn er sich dann doch für sie entscheidet.
Bleibt zu hoffen, da der Film sowohl fürs Kino als auch fürs Fernsehen produziert wurde, dass die TV Version noch ein paar Szenen mehr zu bieten hat.


Aktionen

Information

Kommentieren